1 hour ago · Kultur · ausblenden

Moralische Imperative durchdeklinieren, während man das Bad putzt. Das klappt mit Lappen, Scheuermilch und Rage Against the Machine auf den Ohren verhältnismäßig gut. Die Armaturen strahlen poliert. Spiegel und Gewissen glänzen streifenfrei, wenigstens für eine kurze Zeit. Das skizziert, mit wenigen Worten, die mal mehr, mal weniger bequeme Tragikomödie des modernen bürgerlichen Bewusstseins: die Verwandlung von gefühlter Weltverantwortung in private Hygiene. Es ist ein bekanntes Muster: Die physische Reinigung dient als Ersatzhandlung für moralische Entlastung. Ethische und moralische Imperative sind sperrig, unerbittlich und im Alltag selten widerspruchsfrei einzulösen. Kalkflecken und Seifenreste hingegen wehren sich nicht gegen Scheuermilch und Lappen. Das Schrubben der Armatur wird zur greifbaren Bußübung, bei der am Ende, anders als im echten Leben, ein sichtbares, kontrollierbares Ergebnis steht. Die Ordnung im Badezimmer ersetzt die Ordnung im Handeln, und die unlösbare…

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