2 hours ago · Leben · ausblenden · 0 Kommentare

Der Assistent entschuldigt sich knapp. „Tut mir leid, der Chef kommt immer zehn Minuten zu spät.“ Es ist 14:15 Uhr, das Gespräch war für 14:00 Uhr vereinbart. Während man wartet, beobachtet man, wie die Anderen ihre Handys zücken, nervös auf die Uhr schauen, sich rechtfertigen. Als wäre Unpünktlichkeit ein Naturgesetz geworden. Dabei ist sie das Gegenteil: eine bewusste Entscheidung. Die stille Botschaft der Verspätung Wer zu spät kommt, sendet eine Nachricht. Nicht böswillig, nicht absichtlich verletzend – aber unmissverständlich: „Meine Zeit ist wertvoller als deine.“ Es ist eine Hierarchie-Erklärung im Kleinformat. Der Wartende wird zum Bittsteller, der Verspätete zum wichtigen Menschen, dessen Ankunft man dankbar entgegennimmt. Diese Dynamik funktioniert, weil wir sie akzeptiert haben. Weil wir „flexibel“ geworden sind, „verständnisvoll“, „nicht so pingelig“. Weil wir gelernt haben, dass Pünktlichkeit altmodisch sei, rigide, deutsch eben. Dabei übersehen wir etwas Entscheidendes:…

Noch keine Kommentare. Anmelden um im Fediverse zu antworten. Kommentare erscheinen hier.