Kräftiges Flügelschlagen trieb schweren Lindenblütenduft zu Kischka herüber. Der Rabe landete über ihm im Geäst und musterte ihn von oben herab. Jenseits der Friedhofsmauern ratterten die letzten Kutschen heimwärts. – Sag, Kischka, was machst du heute Abend hier so allein? – Ich warte auf Mitternacht. Auf den Teufel. Man sagt, dass er hier erscheint und Wünsche erfüllt. – Welchen könnte er dir denn erfüllen? Zu welchem Preis? – Ich muss wissen, wie es meinen toten Eltern geht. Drüben. – Warum gehst du nicht zur Konkurrenz? – Vertrau auf den Trost des Herrn – Pah! Ich muss wissen. Um jeden Preis. Jetzt. – Vertraust du ihm? – Vertrauen ist was für Leute, die glauben, noch eine Wahl zu haben. – Und Verzweiflung kennt keine Regeln. Warum sollte er sich dir zuliebe an deine halten? – Weil ich sein Geheimnis kenne. Ihre Blicke trafen sich. Der Vogel floh. Kischka hatte seine Antwort.(Autor: Hulot)
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