Seit gut dreißig Jahren begleitet uns eine Erzählung wie ein leises Grundrauschen: Der Staat habe „zu wenig Geld“, um „soziale Geschenke“ zu verteilen. Mal wird sie in Nachrichten wiederholt, mal in Sonntagsreden variiert, mal als ökonomische Selbstverständlichkeit verkauft. Und irgendwann fragt niemand mehr, ob die Worte, mit denen wir über unser Zusammenleben sprechen, überhaupt stimmen. Gerade das macht sie so wirkmächtig: Sie wird zur Gewissheit, ohne jemals als These formuliert worden zu sein. Doch schon der Ausdruck „Geschenk“ trägt eine stille Gewalt in sich. Wer etwas verschenkt, gibt freiwillig, aus Großzügigkeit; wer etwas geschenkt bekommt, steht in einer Art Schuld. Im Augenblick, in dem Bildung, Gesundheit und Wohnen zu „Geschenken“ werden, verwandelt sich das Recht auf ein würdiges Leben in eine Gunst, die man entziehen kann. Der Linguist George Lakoff hat genau diese Verschiebung untersucht: Politik wird nicht durch Argumente entschieden, sondern durch Frames, durch die…
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