2 hours ago · Leben · 0 Kommentare

Ein alter Mann wartet an der Bushaltestelle. Seine Jacke hat bessere Tage gesehen, seine Schuhe sind abgelaufen, aber etwas in seiner Haltung lässt dich aufmerken. Er steht aufrecht, ohne Theatralik. Als eine aggressive Autofahrerin ihn anhupt, weil er vermeintlich zu langsam die Straße überquert, dreht er sich nicht um, beschimpft sie nicht zurück. Er geht einfach weiter. Ruhig. Unerschütterlich. Das ist Würde. Was bedeutet das Wort – damals & heute? Würde stammt vom mittelhochdeutschen „wirde“ ab und meinte ursprünglich den gesellschaftlichen Rang, den Wert einer Person in der Hierarchie. Ein König hatte Würde kraft seines Amtes, ein Handwerker durch seine Zunft. Es war etwas Verliehenes, etwas von außen Zugeschriebenes. Heute verstehen wir Würde anders – als etwas Unveräußerliches, das jedem Menschen innewohnt. Das Grundgesetz spricht von der „Würde des Menschen“ als oberstem Prinzip. Doch zwischen diesem abstrakten Verfassungsideal und der gelebten Realität klafft oft eine Lücke.…

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